ZUZ Auswahlverfahren: Voraussetzungen, Sporttest, Ausbildung & perfekte Vorbereitung (2026 Guide)
20.11.2025
Die Zentrale Unterstützungsgruppe Zoll (ZUZ) ist die Spezialeinheit der deutschen Zollverwaltung. Sie übernimmt besonders risikobehaftete Einsätze, etwa bei Zugriffen auf bewaffnete Täter, dem Schutz verdeckter Ermittler oder der Vollstreckung von Haftbefehlen. Wer Teil dieser Einheit werden möchte, durchläuft ein anspruchsvolles Auswahlverfahren und eine intensive Ausbildung.
Dieser Leitfaden richtet sich an Bewerber aus der Zollverwaltung sowie aus anderen Sicherheitsbehörden. Er zeigt, wie das Auswahlverfahren aufgebaut ist, welche Anforderungen gelten, wie die anschließende Ausbildung aussieht und welche Fehler erfahrungsgemäß zum Scheitern führen. Die Inhalte basieren auf offiziellen Informationen, auf jahrelanger Coaching-Erfahrung und auf dem Wissen unseres Trainers, der selbst über zehn Jahre als Breacher bei der ZUZ tätig war.
Warum wir diesen Leitfaden schreiben
Die ZUZ ist eine der am wenigsten öffentlich sichtbaren Spezialeinheiten in Deutschland. Dadurch existieren viele Lücken in der Informationslage. Gleichzeitig ist die Durchfallquote hoch, obwohl die Mindestanforderungen auf den ersten Blick machbar erscheinen. Dieser Leitfaden soll Klarheit schaffen und Bewerbern eine realistische Grundlage bieten.
Geschichte, Struktur und Aufgaben der ZUZ
Die ZUZ wurde Mitte der 1990er-Jahre gegründet, Hintergrund war die zunehmende Gewaltbereitschaft organisierter Kriminalität und die Notwendigkeit einer eigenen Zugriffseinheit des Zolls. Organisatorisch ist sie dem Zollkriminalamt (ZKA) in Köln unterstellt.
Vor Gründung der ZUZ musste der Zoll bei gefährlichen Einsätzen auf die SEKs der Länder oder die GSG9 zurückgreifen. Da diese jedoch häufig ausgelastet waren, entstand die Notwendigkeit einer eigenen Einsatzkomponente.
Zu den Einsatzschwerpunkten gehören:
– Festnahmen und Durchsuchungen
– Schutz verdeckter Ermittler und Scheinaufkäufer
– Bekämpfung organisierter Kriminalität (insbesondere im Bereich Wirtschaftskriminalität, Drogenhandel, Waffen, Zigarettenschmuggel)
– Unterstützung anderer Sicherheitsbehörden im In- und Ausland
Da die ZUZ bundesweit arbeitet, ist die Einsatzbelastung hoch. In der Öffentlichkeit tritt sie kaum sichtbar auf – unter anderem, weil bei Einsätzen Patches mit der Aufschrift „Polizei“ getragen werden.
Voraussetzungen für Bewerber
Die formalen Kriterien:
– Alter bis 35 Jahre (Zugriff) bzw. 40 Jahre (Operative Technik)
– Bewerbung möglich für Beamte im mittleren oder gehobenen Dienst (Zoll, Bundespolizei, Landespolizei, teils Feuerwehr – sofern laufbahnrechtlich möglich)
– Zustimmung der abgebenden Behörde
– gute körperliche und psychische Belastbarkeit
– bei OT: technisches Verständnis/Interesse (z. B. Öffnungstechnik, Elektronik, Drohnen)
Sporttest im Auswahlverfahren (Zugriffseinheit)
Die Mindestanforderungen:
– 200 m Schwimmen: 5:00 min
– Wendelauf: 10,1 s
– 5 000 m Lauf: 25:30 min
– Jump & Reach: 40 cm
– Stuhlsteigen: 65 Wiederholungen in 3 min
– Hindernisbahn: 3:40 min
– Geschicklichkeitsbahn: 40 s
– Bankdrücken: 60 % Körpergewicht (mind. 40 kg) 10×
– 5 Klimmzüge
– Reaktionstest (Ziehzeitmesser)
Frauen haben dieselben Anforderungen. OT hat geringere Anforderungen. Diese Werte sind reine Mindestleistungen – in der Praxis solltest du sie deutlich überbieten.
Psychologische und kognitive Tests
Typische Elemente:
– Intelligenzstrukturtest (Logik, Raumdenken, Merkfähigkeit)
– Belastungstests unter Zeitdruck
– psychologisches Interview (Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Reflexionsfähigkeit)
Der psychologische Test wird häufig von denselben Psychologen durchgeführt, die auch für GSG9 und OEZ testen. Dadurch ist das Niveau entsprechend hoch.
Wichtig: Auch hier gibt es – wie bei der OEZ – ein K.O.-Kriterium. Wird dieser Test nicht bestanden, gilt das gesamte Verfahren als nicht bestanden und es erfolgt lebenslange Sperre.
Die Basisausbildung nach dem EAV
Nach Bestehen des EAV beginnt die interne Basisausbildung des Zolls (ca. 10 Wochen). Ziel ist es, die körperliche Leistungsfähigkeit und taktischen Grundkenntnisse vor der EFB aufzubauen.
Inhalte:
– Schießausbildung
– Nahkampf
– taktische Grundelemente
– Klettern & Abseilen
– Fitnesstraining (mehrfach täglich)
Bewerber ohne vorherige Waffenträgerverwendung (z. B. Feuerwehr, Zoll-OT) werden intensiv nachgeschult.
In der 10. Woche findet eine Leistungsabnahme statt – mit deutlich höheren Anforderungen als im EAV.
Beispiele (Zugriffseinheit):
– 200 m Schwimmen ≤ 4:00 min
– Wendelauf ≤ 9,6 s
– 5 000 m ≤ 22:15 min
– Jump & Reach ≥ 47 cm
– 125 Stuhlsteigen (5 min)
– Hindernisbahn ≤ 3:05 min
– Geschicklichkeitsbahn ≤ 32 s
– Bankdrücken: 75 % Körpergewicht (mind. 50 kg) 10×
– 9 Klimmzüge
Wer diese Werte nicht schafft, wird nicht zur EFB zugelassen.
Einführungsfortbildung (EFB)
Nach der Basis folgt die EFB – in der Regel beim SEK NRW. Diese gilt bundesweit als eine der härtesten.
Typische Inhalte:
– Taktik & Zugriffstraining
– CQB
– Fahrsicherheit
– Observation
– Fahrzeug-/Flugzeugzugriffe
– Abseilen, Fast Roping
Hier scheitern viele, weil sie sich ausschließlich auf das EAV vorbereiten, aber nicht auf die Belastungen der EFB. Am Wochenende bleibt kaum Zeit für Training – nur für Regeneration.
Häufigste Gründe für das Scheitern
Unzureichende kognitive Vorbereitung
Die ZUZ zählt zu den einheiten mit den härtesten psychologischen/kognitiven Tests. Ein Vorbereitungsfenster von unter einem Jahr ist selten ausreichend.
Probleme:
– fehlende Tiefe in IQ- und Logiktests
– unzureichendes Training unter Belastung
– Tunnelblick durch Stress
– schlechte Merkfähigkeit bei hoher HF
Falsches Selbstbild im Sporttest
Die Mindestanforderungen wirken machbar – aber:
– Vorbelastung reduziert die Leistung massiv
– Schlafmangel & Nervosität kosten Sekunden
– der schlechteste Tag muss noch reichen
Psychologengespräch
Hier scheitern extrem viele.
Die No-Gos:
– Ego, Übermut
– Lügen und Selbstdarstellung
– kein Wissen über ZUZ-Historie
– keine reflektierte Motivation
– widersprüchliche Aussagen
– keine klare Linie im Lebenslauf
– Parallelbewerbungen ohne Plan
Das Gespräch wird von absoluten Profis durchgeführt. Unreflektierte Bewerber werden sofort entlarvt.
Parallelbewerbungen und Planlosigkeit zu Inhalten&Aufträgen, sowie der Geschichte des Kommandos werden schnell identifiziert&führen zum Ausschluss.
