
EFB & Verwendungsfortbildung bestehen: So bereitest du dich richtig nach dem Auswahlverfahren vor
08.12.2025
Die Ausbildung polizeilicher Spezialeinheiten beginnt nicht mit der Verwendungsfortbildung, sie beginnt in Wahrheit lange davor. Viele unterschätzen diesen Abschnitt massiv. Ein bestandenes Auswahlverfahren ist kein Ziel, sondern nur die Eintrittskarte. Ab hier beginnt die eigentliche Selektion, wo du dich nicht nur einen Tag, sondern jeden Tag beweisen musst und zwei gelbe Karten zum Ausschluss führen.
PPF Germany begleitet seit über sieben Jahren Einsatzkräfte auf ihrem Weg in polizeiliche und militärische Spezialeinheiten. In dieser Zeit haben wir nicht nur unzählige Auswahlverfahren begleitet, sondern auch immer mehr Athleten durch ihre anschließenden Ausbildungsabschnitte geführt. Unsere Erfahrung zeigt klar: Die Durchfallquoten in den Verwendungsfortbildungen sind teilweise höher als im Auswahlverfahren selbst.
Dieser Leitfaden zeigt dir die drei entscheidenden Säulen, die über Bestehen oder Abbruch deiner EFB, AE oder im Nachwuchszuges entscheiden.
Warum die Verwendungsfortbildung für viele der eigentliche Filter ist
Viele glauben, dass das Auswahlverfahren der härteste Teil sei. In der Praxis zeigt sich ein anderes Bild. Die Verwendungsfortbildung trennt endgültig aus, wer dauerhaft belastbar ist und wer nur für einen Test vorbereitet war.
Je nach Einheit variieren die Durchfallquoten drastisch. Es gab bereits Durchgänge, bei denen trotz bestandener Eignungsfeststellung nahezu alle Teilnehmer während der Ausbildung ausschieden. Die häufigsten Gründe sind taktische Fehler, Verletzungen, mangelnde persönliche Eignung und das Einbrechen der körperlichen Leistungsfähigkeit unter Dauerbelastung. Oft ist es aber ein Mix aus allem, was dann zur roten Karte führt.
Das eigentliche Problem: Die meisten fokussieren sich ausschließlich auf das Bestehen des EAV – nicht auf das Bestehen dessen, was danach kommt. Was wir auch teilweise sehen ist, dass viele Athleten nach dem bestandenen EAV entweder in ein Loch fallen, weil das große Ziel bestanden ist, oder vom Kopf her komplett abschalten und sich ausruhen. Beides ist fatal, weil man direkt nach dem bestandenen EAV (und ggf. einem kurzen Deload) direkt in die EFB Vorbereitung starten sollte.
Verletzungsprävention als absolute Grundlage
In Verwendungsfortbildungen sind Belastungswochen der Normalzustand. Taktische Lagen, Dienstsport, Nachtmärsche, Schießen unter Vorbelastung, Tragen schwerer Ausrüstung – all das erzeugt einen permanenten körperlichen Stresszustand. Verletzungen entstehen dabei nicht durch einzelne extreme Ereignisse, sondern durch die permanente Wiederbelastung vorgeschädigter Strukturen. Wie eine Mauer, die man konstant mit einem Vorschlaghammer bearbeitet. Nicht die ersten Schläge bringen die Mauer zum Umfallen, sondern die Masse an Schlägen. Irgendwann ist die Mauer zu viel belastet und bricht.
Besonders gefährdet sind Hamstrings, Fuß- und Schienbeinbereich, Schulterkomplex inklusive Rotatorenmanschette sowie die Lendenwirbelsäule. Zusätzlich erhöhen Stiefelläufe mit Körperschutzausstattung das Risiko massiv. Das eingeschränkte Gefühl im Fuß, der veränderte Bewegungsablauf und das Zusatzgewicht wirken direkt auf Achillessehne, Plantarfaszie und Kniegelenke. Und dann haben wir noch das ganze Thema Schienbeinkantenkantensyndrom, was bei vielen schon in der EAV Vorbereitung auftritt und spätestens in der EFB zu einem richtig ernsten Problem wird.
Eine saubere Verletzungsprävention ist deshalb keine Ergänzung, sondern Pflicht. Zielgerichtete Warm-ups, Mobilitätsroutinen und präventives Krafttraining entscheiden darüber, ob dein Körper die Dauerbelastung aushält oder dich frühzeitig aus dem Lehrgang zwingt. Das Ganze muss schon in der EAV Vorbereitung integriert werden, damit wir hier nicht schon die ersten Baustellen erzeugen.
Allgemeiner und spezifischer Leistungsaufbau
In der Verwendungsfortbildung brauchst du zwei Dinge gleichzeitig: eine robuste Grundfitness für tägliche Belastungen und Spitzenleistung für einzelne Leistungstests, die in den meisten EFB´n regelmäßig wiederholt werden. In der Regel ist das der ganze oder Teile vom Eingangstest, die auch unter Belastung bestanden werden müssen. Bei der GSG9 zum Beispiel sind auch online die Mindestwerte für Leistungen in der AE ("Ausbildung") vorgegeben.
Allgemeine Belastungen sind lange Dauerläufe, Märsche, Bodyweight-Serien am Morgen, ständiges Verlegen im Laufschritt und regelmäßiger Dienstsport. Spezifische Belastungen sind klare Leistungsabnahmen wie Cooper-Test, Klimmzüge, Bankdrücken oder Hindernisparcours.
Beides erfordert unterschiedliche Trainingsreize, die jedoch auf einer gemeinsamen Basis aufbauen müssen. Wer keine echte Grundlagenausdauer besitzt, wird selbst mit starken Kraftwerten einknicken. Wer nur läuft, aber keine Kraftbasis mitbringt, verliert unter Ausrüstung massiv an Leistungsfähigkeit. Es zählt wie immer der taktische Athlet, also gute Leistungen in allen Bereichen, nicht nur in einem. 360 Grad Fitness, wie wir sie schon der EAV Vorbereitung aufbauen.
Eine solide Grundlage besteht aus langen GA1-Läufen, stabilen Cooper-Werten im Bereich von mindestens 3.200 Metern, Tempoläufen bis 15 Kilometer, Schwimmen auch unter Vorbelastung (wenn in der EFB relevant) sowie einer stabilen Kraftausdauer bei Bodyweight Übungen. Diese Kombination sorgt dafür, dass du nicht nur bestehst, sondern auch über den langen Zeitraum der EFB Leistungsfähigkeit bleibst.
Abhärtung als mentales und körperliches Ass im Ärmel
Abhärtung ist der Punkt, an dem viele trotz guter Werte scheitern. 80 Liegestütze im Training helfen wenig, wenn in der Ausbildung 500 gefordert werden. Ein sauberer Tempolauf bringt dich nicht durch Serien aus Bodyweight-Übungen, Verwundetentransporten, Wall-Sits, Kriechübungen und Dauerstress.
Abhärtung bedeutet, sich planmäßig an Unbequemlichkeit zu gewöhnen. Nicht kopflos, sondern systematisch. Bewegungsmuster werden vorbereitet, bevor sie gefordert werden. Genauso wird mentale Frustrationstoleranz trainiert, die besonders bei militärischen Lehrgängen in der KSK oder EGB Pipeline wichtig ist.
Das geschieht über bewusst unangenehme Trainingseinheiten, monotone Belastungen, Koppeltrainings, bewusste Komfortzonenbrüche im Alltag und gezielte mentale Belastungssteuerung. Ziel ist nicht, sich kaputtzumachen, sondern Kontrolle unter Stress zu behalten. Es gibt, je nach EFB, verschiedene Methoden, das Training monoton und unangenehm zu machen. Wenn du mehr wissen willst, lass uns gerne mal sprechen.
Am Ende entscheidet nicht, wie stark du bist, sondern wie stabil du bleibst, wenn alles gleichzeitig auf dich einwirkt. Und wie lange du das ganze aushalten kannst, auch wenn du mal an einem Tag an dir zweifelst.
Fazit & Abschluss
Die Verwendungsfortbildung ist kein verlängerter Sporttest. Sie ist eine dauerhafte Belastungsprüfung, die physische, mentale und taktische Leistungsfähigkeit gleichzeitig abfordert. Wer nur auf das Auswahlverfahren trainiert, bereitet sich auf den kleineren Teil seiner eigentlichen Herausforderung vor. Man kann bei den meisten Spezialeinheiten sagen, dass die EFB/AE/Verwendungsfortbildung das wahre Auswahlverfahren ist.
Verletzungsfreiheit bzw. Prävention, um Verletzungen herauszuzögern, eine stabile Grundfitness in allen Bereichen ("360 Grad Fitness"), spezifische Leistungsfähigkeit für Inhalte der EFB und gezielte Abhärtung entscheiden darüber, ob du durchkommst oder ausscheidest. Die Ausbildung filtert nicht in Stunden, sondern über Wochen hinweg. Fehler, Schwächen und mangelnde Belastbarkeit werden nicht kaschiert, sondern verstärkt sichtbar.
Wer sich langfristig korrekt vorbereitet, erhöht seine Durchhaltefähigkeit massiv. Wer kurzfristig nur auf Bestehen optimiert, riskiert das frühe Ende. Genau deshalb beginnt echte Vorbereitung nicht mit der Einladung zur Verwendungsfortbildung – sondern viele Monate davor.
Wir bereiten dich gerne darauf vor 💪🏼
