So trainierst du für das SEK: Der vollständige Guide für das Auswahlverfahren
20.11.2025
Als Team von PPF Germany bereiten wir seit über sieben Jahren Polizisten und Soldaten auf einige der härtesten Auswahlverfahren im deutschsprachigen Raum vor. Dazu gehören nahezu alle großen Spezialeinheiten – inklusive GSG9, ZUZ, MEK, BFE+ und natürlich die SEKs der Bundesländer. In dieser Zeit haben wir unzählige Kandidaten durch ihren gesamten Prozess begleitet und viele erfolgreiche Durchgänge erlebt.
Unsere Perspektive basiert nicht auf Hörensagen, YouTube-Wissen oder Mythen aus dem Dienstsport, sondern auf echter Praxiserfahrung: aktive und ehemalige Spezialkräfte in unserem Trainerteam, reale EAV-Begleitungen und systematisches Coaching mit hunderten Athleten.
In diesem Leitfaden zeigen wir dir – ohne Schönreden und ohne Umwege – was du wirklich wissen musst, wenn du ein SEK-Auswahlverfahren (SEK EAV) bestehen willst.
Warum wir diesen Leitfaden schreiben
Rund um das Thema SEK herrschen zwei Probleme:
Mythen und Falschinformationen:
Viele Bewerber glauben immer noch, das EAV sei primär ein Sporttest. Das ist falsch.Extrem hoher Konkurrenzdruck:
Die meisten Bundesländer schreiben nur wenige Stellen aus – oft alle zwei oder drei Jahre. Das führt dazu, dass jeder Bewerberjahrgang gegen drei bis vier Kohorten antreten muss.
Wir möchten hier eine realistische Grundlage schaffen. Keine Heldengeschichten, keine Illusionen. Nur die Prinzipien, die in der Praxis funktionieren.
Die größten Mythen über das SEK-Auswahlverfahren
Das SEK-EAV wird regelmäßig überbewertet – und gleichzeitig unterschätzt. Viele Bewerber laufen blind in das Verfahren, weil sie sich nur an Erzählungen orientieren oder sich ausschließlich über Social Media informieren.
Mythos 1: „Sport ist das Wichtigste“
Sport ist wichtig – aber er ist nicht der Hauptgrund, warum Bewerber scheitern. Die realen Drop-Out-Gründe bei Polizei-SEKs sind:
mangelnde kognitive Leistung
mangelnde taktische Entscheidungsfähigkeit
mangelnde Stressresistenz
Fehler in Szenarien und Lagen
schlechte Reflexion im Auswahlgespräch
taktische Fehler innerhalb der IFB (Basisausbildung)
körperliche Überlastung oder Verletzungen
Die reine Sportleistung entscheidet nur einen Teil – die mentale und kognitive Leistungsfähigkeit entscheidet den Rest.
Mythos 2: „Fit genug bin ich schon“
Viele unterschätzen die athletische Breite, die im EAV und besonders in der späteren EFB notwendig ist.
Schnell laufen, Bankdrücken und Klimmzüge reichen nicht.
Du brauchst:
Sprintleistung
VO2max
Grundlagenausdauer
maximale Kraft
Kraftausdauer
Agility
Körperkoordination
Belastbarkeit unter Ausrüstung
Das ist kein „Fitnessstudio + Laufen“-Test. Es ist ein Test deiner gesamten körperlichen Bandbreite.
Mythos 3: „Ich brauche nur die Mindestanforderungen“
Das vielleicht gefährlichste Missverständnis.
Die Mindestanforderungen sichern dir gar nichts.
Warum?
Weil Besteherlisten entscheiden. Und wenn 150 Bewerber auf 15 Stellen kommen, besteht nur, wer oben in den Listen steht.
Die wahre Herausforderung: Begrenzte Stellen & hoher Konkurrenzdruck
Die meisten Bundesländer haben für ihre SEKs nur wenige freie Plätze.
Beispielhafte Größenordnungen aus EAV der letzten Jahre:
10–20 Plätze pro Durchgang
70–150 Bewerber pro Stelle
Dazu kommt die Mindestverwendungszeit:
Meist 2–3 Jahre nach Abschluss der Polizeiausbildung. Das heißt:
ehemalige Kandidaten, die knapp gescheitert sind
neue Kandidaten aus mehreren Jahrgängen
BFEler, die die BFE als Sprungbrett genommen haben
… treten alle gleichzeitig an.
Wer glaubt, er könnte „einfach gut genug sein“, irrt.
Man muss besser sein.
Deutlich besser.
Wie eine vollständige SEK-Vorbereitung aussehen muss
Wir sehen in der Praxis drei Typen von Bewerbern – und nur einer davon besteht zuverlässig.
Typ 1: „Hauptsportart + später Spezialisierung“
Viele kommen aus Disziplinen wie Marathon, CrossFit oder Kampfsport.
Das hat Vorteile – aber auch enorme Schwächen.
Ausdauerathleten haben selten die nötige Maximalkraft.
Crossfitter mangelt es oft an Struktur im Lauftraining.
Kampfsportler fehlt häufig die Laufökonomie und Basis-Kraftlogistik.
Das größte Problem:
Menschen trainieren ungern ihre Schwächen.
Wenn ein Marathonläufer plötzlich Kniebeugen trainieren muss oder ein Crossfitter 4× pro Woche laufen soll – steigt die Fehlerquote und dein innerer Schweinehund siegt (vor allem ohne Coach).
Typ 2: „Nur EAV-Spezifisches Training“
Das ist der Klassiker:
5000-Meter-Läufe, Klimmzüge, Bankdrücken – und sonst nicht wirklich viel mehr.
Die Probleme:
keine athletische Breite
keine Sprintperformance
keine funktionale Kraft
schlechte Grundlagenausdauer
kein Kraftfundament für Hindernisparcours
kein Transfer in Belastungen, die beim EAV auftreten können
Diese Bewerber fallen im EAV nicht unbedingt wegen schlechter Ergebnisse durch –
sondern weil sie nach kurzer Zeit in der EFB scheitern (kommen wir noch zu).
Typ 3 (die Besteher): „360-Grad-Systematik“
Die Bewerber, die zuverlässig bestehen, trainieren in drei Zyklen:
Grundlagenphase (ca. 3 Monate)
Hypertrophie & Maximalkraft
Grundlagenausdauer
Technik & Bewegungsmuster
Leistungsphase (3–4 Monate)
Tempohärte
VO2max
Bodyweight Training
Sprint & Agility
Belastungsketten (Lauf + Kraft + Stress)
EAV-Spezifik (letzte 10–14 Wochen)
Pacing-Einheiten
Wiederholung bei Kraftübungen ausmaxen
Parcoursbewegungen
EAV-Simulationen
kognitive Belastung unter Stress
Dieses System ist der Ansatz, den wir bei PPF Germany nutzen – und der über Jahre hinweg eine Besteherquote von 80–90 % gebracht hat.
Kognitive Vorbereitung (IQ-Tests, Merkfähigkeit, Logik)
Die meisten Bewerber scheitern nicht im Sport, sondern hier. Vor allem beim SEK NRW haut der Wiener Test sehr viele Bewerber raus. Wir arbeiten mit einem dreistufigen System, um die Chancen zu maximieren:
Phase 1: Basic (1–1,5 Jahre vorher)
systematisches Training klassischer IQ-Aufgabentypen
Mustererkennung
Merkfähigkeit
Bearbeitungsgeschwindigkeit
räumliches Denken
Basics Logisches Denken
Phase 2: Advanced
höhere Komplexität
Zeitdruck
wechselnde Aufgabenformate
anspruchsvollere Aufgaben für technische & visuelle Intelligenz
Training der auditiven und visuellen Merkfähigkeit
Phase 3: Spezifisch (unter Belastung)
IQ-Tests nach Parcours
Merkaufgaben während hoher Herzfrequenz
Taktik-Szenarien kombiniert mit Logikaufgaben (SEK NRW hat z.B. auch taktische Lagen)
Reaktionsfähigkeit unter Stress
Hier entscheidet sich oft sehr viel: Wer unter Adrenalin nicht mehr klar denken kann, fällt raus.
Mentales Training: Der unterschätzte Erfolgsfaktor
Ein SEK-EAV erzeugt massiven psychischen Druck – sowohl im Sporttest selber als auch im Auswahlgespräch.
Die typischen Symptome, von Bewerber die nicht bestehen:
Tunnelblick
Verlust der Detailwahrnehmung
Überdrehen
Blackouts
schlechter Abruf kognitiver Inhalte
Wir trainieren diese Komponenten gezielt und auch schon im Training:
Stressresistenz
Identifizieren von Stressoren im Alltag, kontrollierte Exposition, Atemtechniken, Arousal-Regulation, Wettkampfnähe.
Visualisierung
Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen Vorstellung und Realität.
Wir nutzen das, um:
Taktikabläufe
Parcours
Schießsituationen
Entscheidungen unter Stress
mental vorzubereiten.
Performance-Mindset
Nicht auf Fehler fokussieren, sondern auf Handlung.
Nicht auf Angst, sondern auf Ausführung.
Bewerber, die mentale Methoden früh beherrschen, sind in EAVs durchweg stabiler.
Bonus: BFE als Sprungbrett – sinnvoll oder nicht?
Viele nutzen die BFE als Vorbereitung.
Es gibt Vorteile – aber auch massive Risiken.
Vorteile
mehr Sport in der Dienstzeit
unmittelbare Nähe zu SEKs
echtes Taktiktraining & du entwickelst bereits früh ein Gespür dafür
Erfahrung in geschlossenen Einheiten
frühe Kontakte zu Kommandos
Risiken
hohes Verletzungsrisiko
schwere Belastungen im Einsatz
mögliche dauerhafte Einschränkungen
Stehzeiten von mehreren Jahren (z.B. beim USK München!)
Es ist ein möglicher Weg – aber kein Muss.
Viel wichtiger: Wählt eine Verwendung, in der ihr auch bleiben könnt, wenn es wider Erwarten nicht klappt.
Fazit: Das SEK-Auswahlverfahren ist kein Sporttest – es ist ein Gesamtkonzept
Das SEK EAV prüft jeden Bereich des Bewerbers ab:
Körper
Kopf
Psyche
ggf. Taktik bzw. Einsatztraining
Stressresistenz
Teamfähigkeit
Reflexion
Authentizität
Wer nur eine dieser Säulen vernachlässigt, fällt mit hoher Wahrscheinlichkeit durch – egal wie fit er ist.
Die erfolgreichsten Bewerber sind die, die alle Bereiche systematisch kombinieren.
Und genau darauf basiert unser Ansatz als PPF Germany. Wenn du mehr zu unserem Ansatz wissen willst, dann buche dir hier ein kostenloses Beratungsgespräch.
